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Das Leben ist ein Hund

Den Titel Thekunator teilen sich wohl Tobi und Martin - beide mittlerweile abgereist, da beide gefühlte 88 Mal im Wohnzimmer von Dusty Hoffmann waren, um mit frischen Werkzeugen und Staub in der Lunge zurückzukehren.

Heute war ich mal wieder dabei. Zwar erst das zweite Mal, aber es macht ja auch schon beim ersten Mal keinen Spaß. Das gute an der Frequenz aller Theku-Besuche ist, dass wir mittlerweile wissen, wo was zu bekommen ist und man sich quasi schon beim Vornamen kennt. To-pi und Mountain (Tobias und Martin) wurden sogar schon mit Tee begrüßt.

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Das war aber heute wirklich das letzte Mal, dass wir in Theku waren - von dem wir mittlerweile auch gelernt haben, dass es Tetschu ausgesprochen wird. Aber das denken und hoffen wir wohl nur. Wir werden sehen.

zeugnisse 1Etwas Lustiges ist heute früh vor Theku passiert. Als wir mit Udip an der sogenannten ’Secondary School’ vorbeigehen, fragt er mich völlig selbstverständlich, ob wir die Zeugnisse der Neuntklässler aus dem Hostel abholen wollen, um sie zu überraschen. Klar, sag ich. Und dann stellt man sich brav in die Schlange, sagt die Namen der Zeugnisinhaber und setzt irgendwo auf eine Liste ein unlesbares Kürzel. Hätten wir das damals in Deutschland so gehandhabt, wären meine Phantasien wohl unendlich gewesen, was man damit anstellen kann. Aber schön, dass es jetzt doch noch passiert und ich heute tatsächlich meine ersten Zeugnisse verteilen werde.

Kurz geschockt, weil mental noch nicht darauf vorbereitet gewesen, freuen sich letztendlich doch alle über die bevorstehende Versetzung.

Übermorgen geht die Schule wieder los und es ist dementsprechend in Nepal noch bis kurz vor Ferienende nicht klar, ob man das Jahr wiederholen muss.

hugel brenntWenn man also manchmal der Hund ist und manchmal der Baum, sind heute alle hundemäßig gut durchgekommen. Sowohl durch Theku, als auch durch die neunte Klasse. Einer ist allerdings der Baum. Gegen Nachmittag nämlich, als die Mannschaft mal wieder einen erfolgreichen und höchstmotivierten Schulungstag hinter sich gebracht hat, fängt plötzlich der Hügel hinterm Hostel an zu brennen, während Tej und Jhapendra gerade die letzten Sonnenstrahlen darauf genießen.

In Deutschland hört sich das nach einem mittelschweren Panik-Krimi an. In Nepal reicht das allerdings nicht einmal als Geschichte im Fahrstuhl aus. Die einzigen, die das wohl ansatzweise interessiert, sind natürlich mal wieder die Deutschen. Nach einem Interview, welches wir auf dem Dach geführt haben, sehen wir, wie die Flammen langsam an der Seite nach oben kriechen. Nachdem wir einmal, zweimal und schließlich dreimal  gerufen haben, merken wir wie wir sehr wohl gehört wurden, es aber anscheinend niemanden interessiert. Die beiden gucken gelangweilt auf die Flammen, wie ein Metzgerlehrling, der seinem Meister zum hundertsten Mal beim Wursten zuguckt.

Als sich dann auch noch etliche nepalesische Erwachsene gelangweilt dazu gesellen, ist allerspätestens klar, dass niemand an einer Löschaktion interessiert ist.

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Ganesha wird’s schon irgendwie wieder richten. Und lustigerweise passiert das tatsächlich. Diese Karmarechnung geht eben immer irgendwie auf. Nur irgendwie scheinen die Eichhörnchen auf dem Elefantenberg schlechte Energieströme zu produzieren, denn am Abend beginnt in zwei Kilometer Entfernung plötzlich lichterloh ein Feuer im Wald des Berges zu brennen. Erst der Hügel und dann auch noch der Berg.

Ganze drei Tage lang wird es brennen, was Udip schließlich sehr sauer und traurig über die Situation seines Landes machen wird, und das Desinteresse des Governments in solchen Situationen. Vom westlichen Handeln verwöhnt, ist es wirklich sehr, sehr seltsam, einem Berg drei Tage lang beim Brennen zuzusehen, bevor die Natur das Feuer glücklicherweise selber wieder löscht.

Zweimal Hund und einmal Baum. Es geht zwar immer besser, aber so hält sich die Welt und das Leben eben selber im Gleichgewicht. Drei Hunde ohne Baum wären eben auch keine Lösung. Wir sind eben nicht geschaffen, um in der Utopie einer perfekten Welt zu leben. Aber vielleicht ist sie es genau deswegen.

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