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Tag 2 - elektrische Pflanzen

"Ein guter Freund lässt dich schlechte Erfahrungen nicht alleine machen!“ Dieses nepalesische Sprichwort verbuche ich heute als ersten Lerneffekt. Ich weiß aber auch, dass im Laufe des Tages, noch einiges folgen wird. Dies hat uns der gestrige Montag bewiesen.

Aktuell ist es fünf nach sechs...5 Minuten, nachdem der endgültige Startschuss für den nepalesischen Tagesanbruch gefallen ist. Hund, Huhn, Kind und Kegel füllen die Straßen wieder mit Leben. Die innere Uhr hat sich erstaunlich schnell auf Kathmandu Zeit umgestellt und wir versuchen uns dem Alltag im Hostel anzupassen.

PANORAMA

Gerade laufe ich mit Bhim und Udip über die Reisplantagen rund um das Hostel, wo zurzeit Weizen angebaut wird. „Ein guter Freund lässt dich schlechte Erfahrungen nicht alleine machen“ erklärt mir Bhim, denn im Moment sind wir auf der Suche nach der sogenannten ’electric flower’. Wenn man sie berührt, bekommt man einen kleinen Schlag...angeblich. Ich bin gespannt.

JOGGEN 2 UDIP  BHIM

Doch vorher laden die Ruhe des Flusses, der neben uns seine Kurven zieht, und die grüne Landschaft um uns herum dazu ein, den gestrigen Tag noch einmal Revue passieren zu lassen.

Nachdem sich gestern schließlich alle von der Anreise erholt hatten, wurden wir mit einer Partie Badminton und einer Elefantenportion Dal Bhat, fit für den Tag gemacht. Für einige der Gruppe tatsächlich gewöhnungsbedürftig, wenn sich vor einem ’Nicht-Frühstücker’ plötzlich ein derartiger Berg Reis auftürmt. Aber getreu dem Motto „Dal Bhat in the morning...Dal Bhat in the evening“ passten sich alle brav an. Zumal es ja auch so war, das es mal wieder hervorragend schmeckte. Nach einem Verdauungstee mit Keksen, boten uns die Jungs an, eine Führung durch das Stadtinnere von Bungamati zu machen. Das alles passierte vor 10 Uhr, und wir merken jetzt schon, dass viel mehr in einen Tag passt, als wir es manchmal zulassen.

DAL BHAT BUNGAMATI 3

Also machen sich Electric-Man, Metal-Man, Wood-Man, Cameraman und Superman auf, um dieses Land noch etwas mehr zu atmen. Dies sind Spitznamen, welche uns aufgrund unserer Haupttätigkeiten hier verabreicht wurden. Wobei Tobi (Projektmanager bei teamtischer) tatsächlich mehr macht, als nur super zu sein.

Aber auch unsere richtigen Namen sitzen anscheinend mittlerweile. Und ebenso geht es uns mit den Jugendlichen Udip, Bhim, Jhapendra, Nladan, Tej, Binaya, Anju und Bimala.

In dieser familiären Atmosphäre und dem engen beisammen sein über den Tag, ist es auch um einiges einfacher, dass alles zu behalten.

Doch dieses familiäre Gefühl begegnete uns auch in den folgenden Stunden, als wir durch die, teilweise sehr heruntergekommenen Straßen Bungamatis zogen.

Einfache Menschen begegnen einem mit einer derartigen Offenheit, Fröhlichkeit und Freundlichkeit, wie wir es alle selten erlebt haben. Und somit saugen wir auch diese Erfahrung wieder begeistert und dankbar auf.

BUNGAMATI 5 BUNGAMATI 6

Ein Land ist eben so schön, wie seine Bewohner im Herzen. Und das macht Nepal, und im Moment speziell Bungamati, zu einem der schönsten Fleckchen Erde auf diesem Planeten. Es ist ein warmes und gutes Gefühl, nicht als Fremdkörper behandelt, sondern wirklich aufgenommen zu werden.

Auch wenn die Hautfarbe und die Größe natürlich trotzdem nach wie vor, eine gewisse Faszination auf die Leute hier ausüben.

Ebenso, wie die Polaroidkamera, welche wir im Gepäck haben, mit der wir an diesem Nachmittag viele strahlende Gesichter zurücklassen können. Aber das beruht wie gesagt auf Gegenseitigkeit.

Ein neuer Basketball aus der Stadt überbrückte schließlich den Rest der Zeit, bis Alex (Vorstandsvorsitzender Freundeskreis Nepalhilfe e.V.) und Raj Nachmittags zur ersten Lagebesprechung eintrafen.

Wir haben hier viel vor und somit wurde auch viel besprochen. Der Ausbau der Garagen in Werkstätten mit verschiedenen Themenschwerpunkten. Die Vermittlung von handwerklichen Fähigkeiten, die Organisation von Werkzeug im Umland und schließlich das lösen des größten Problems: der Elektrik!

Aber da hat Electric-Man alias Boris (Techniker teamtischer) wohl schon einen Plan. Ob sich dieser und all die anderen genau so, oder auf Nepali-Art umsetzen lassen, wird sich erst entscheiden, wenn es Dienstag früh zum Einkaufen in die Stadt geht.

Gerade ist Dienstag früh und wir joggen über eine Hängebrücke unserem morgendlichen Dal Bhat entgegen. „Mitho chaa“ wird es wieder sein – sehr lecker. Aber vorher gilt es noch, die ’elektrische Blume’ zu finden.

HANGEBRUCKE 1

Als wir sie dann endlich in der reichhaltigen Flora Nepals entdecken, bestätigt sich meine Vermutung, dass es sich hierbei um die einheimische Brennessel handelt.

ELECTRIC FLOWER

Trotz dem Wissen, was danach passieren wird, greifen wir alle einmal in die Pflanzen.

„Ein guter Freund lässt dich schlechte Erfahrungen nicht alleine machen!“

Es ist erst der zweite Tag, aber es stimmt. Bereits jetzt haben wir schon gute Freunde gefunden.

Wir laufen weiter, dem dritten Tag entgegen. Und allen Erfahrungen, die wohl heute da draussen auf uns warten.